Am Flughafen in Palma habe ich mich hingelegt, weil der Tag lang war und die Hitze in der Stadt lange auf uns gelegen hatte. Kurz darauf war mein Bauch unruhig. Nicco und ich standen vor der Frage, ob wir in das Flugzeug steigen oder in den Krankenwagen. Wir sind geflogen. Nicco hat dem Piloten erzählt, dass er Geburtshelfer ist. Das war als Beruhigung gemeint, und für uns beide war es keine.
Es ist meine vierte Schwangerschaft. Ich dachte ehrlich, ich hätte das jetzt verstanden.
Worum es in dieser Folge geht
Das Faszinierendste an dieser Schwangerschaft ist, wie viel ich vergessen habe. Nicht die großen Dinge. Die Kleinigkeiten. Wie schwer ein Körper wird, der jemanden trägt. Dass ich nicht mehr in meinem Tempo durch die Welt renne, sondern mich unterordne. Beim dritten Kind war ich mit zwei Kindern auf Konzertreise, habe Koffer geschoben, mich auf Proben vorbereitet, Yoga unterrichtet und für andere Leute die Autositze ausgebaut. Danach war ich schlauer. Und jetzt bin ich wieder an einem Punkt, an dem ich Teile davon neu lernen muss.
Wir haben aus den drei Schwangerschaften davor viel gelernt. Und trotzdem ist jede wieder anders, und man macht wieder Fehler. Im besten Fall andere.
Es gibt keine Regel
Nach dem Flug haben wir alles eingestampft, was sich einstampfen ließ. Kein Segeltörn in Woche 32, keine Reisen über den Sommer. Nicco ist meistens schneller darin, solche Entscheidungen zu treffen, ich bin meistens gut darin, sie dann auch zu akzeptieren. Es waren größere Einschnitte in meinem Leben als in seinem. Genau deshalb muss es ein Dialog bleiben.
Es gibt Leute, die jedes Mal im Urlaub krank werden. Man wiederholt das so lange, bis man merkt, dass man vorher über die eigenen Grenzen gegangen ist. Ich kann daraus keine Regel machen und will es auch nicht. Es läuft auf etwas Unspektakuläres hinaus: auf sich hören und entsprechend anpassen.
Manche Gefühle brauchen einen Anlass
In Mallorca habe ich an zwei Morgenden hintereinander in Niccos Armen geweint. Am dritten Morgen habe ich gesagt, dass ich den Umweg jetzt weglasse und direkt ins Vertrauen gehe. Das klingt nach einer Entscheidung, und es ist auch eine. Aber es ist Arbeit, keine Gelassenheit.
Was ich unterschätzt hatte: Emotionen kommen oft nicht von allein. Sie brauchen einen Katalysator. Das kann Musik sein, Bewegung, die berühmten Hüftöffner im Yoga, ein Buch, ein Film. Ich weine bei Kinderfilmen wie ein Schlosshund, das ist zuverlässig meiner. Manchmal braucht es einen Menschen, der den Raum hält. In unserem Fall war das unser Facilitator Franz. Und Nicco.
Wer hält die, die immer halten?
Ich halte im Yoga Räume für andere. Nicco hält jeden Tag Emotionen von Mitarbeitenden, Patientinnen, Angehörigen. Bei der Beerdigung meines Vaters war ich die Tröstende, weil alle anderen fassungslos waren. Wenn dein Gegenüber trauriger ist als du selbst, ist es schwer, nicht zu trösten.
Daraus folgt etwas sehr Praktisches: Man muss dafür sorgen, dass man selbst auch gehalten wird. Beim Partner, in der Familie, und manchmal eben professionell, bei einer Massage oder einer Behandlung. Proaktiv schwach sein. Von allein kommt das nicht. Man kann Monate und Jahre durchlaufen, ohne einmal schwach zu sein.
Mal es dir nicht aus
Nicco hat mir in unserer ersten Schwangerschaft gesagt: Du kannst dir gar nicht ausmalen, was alles passieren kann, also mal es dir auch nicht aus. Der Satz trägt bis heute. Medizinische Lehrbücher sind voll von Dingen, die passieren können. Untersuchungen lohnen sich. Das Ausmalen nicht.
Dazu gehört auch die Entlastung, dass nicht alles einen Schuldigen hat. Es gibt Symptome, gegen die man etwas tun kann, und es gibt Zustände, für die niemand etwas kann. Genetik, Zufall, Pech. Ich neige dazu, für alles Verantwortung tragen zu wollen. Zu glauben, ich hätte das Glück der ganzen Familie in der Hand, ist eine Last, die nicht stimmt. Nicco hat es jeden Tag genauso in der Hand, wenn er mit dem Fahrrad durch den Kopenhagener Verkehr fährt.
Die wichtigsten Gedanken in Kürze
Es gibt keine Regel, die für alle gilt. Auf den eigenen Körper hören schlägt jeden Ratgeber.
Schwäche gehört in den Kalender, bevor der Körper den Termin selbst macht.
Gefühle brauchen manchmal einen äußeren Anlass. Das ist kein Defizit.
Gesundheit ist ein Zinseszinseffekt aus Jahren, nicht das Ergebnis der letzten Woche.
Nicht alles, was schiefgeht, hat einen Verantwortlichen. Das ist die entlastendste Nachricht überhaupt.
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Wir haben diese Folge zweieinhalb Wochen vor dem errechneten Termin aufgenommen. Wenn ihr sie hört, wissen wir vermutlich schon mehr als beim Sprechen. Es ist eine sehr ehrliche Folge über Geduld, Vertrauen und darüber, wie sich Kontrolle anfühlt, wenn man sie abgeben muss.
Instagram: https://instagram.com/edelabgefunkt
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