"Du siehst aus wie ein Mafia-Boss." Das sagt meine Frau, während wir auf Mallorca in der Sonne sitzen, ich im Schatten, sie schwanger. Ich nehme es als Kompliment. Wir sind hier zu zweit. Die Kinder sind zu Hause geblieben, bei der Granny, für sechseinhalb Tage.
Parents Week Out heißt genau das: als Eltern ein paar Tage wegfahren, ohne die Kinder, mit Absicht und ohne schlechtes Gewissen. Wir glauben, das gehört zu einer gesunden Partnerschaft dazu, und es schadet den Kindern nicht.
Worum es in dieser Folge geht
Wir reden darüber, warum eine echte Auszeit als Paar mehr ist als ein netter Abend. Wir reden darüber, dass das ein Privileg ist, das wir nicht für selbstverständlich halten. Und wir erzählen von diesem Morgen, an dem einer unserer Söhne kurz vor der Schule am Telefon geweint hat. Es geht um das Recht, zu vermissen und traurig zu sein. Und es geht darum, was unsere Kinder uns dabei beibringen.
Parents Night Out sollte jeder. Parents Week Out ist der eigentliche Luxus
Einmal essen gehen, einmal ins Kino, dann wieder nach Hause zu den Kindern. Schön, aber nicht dasselbe. Der eigentliche Luxus ist für uns ein Urlaub vom Elternsein. Nicht, weil Elternsein an sich urlaubsbedürftig wäre, sondern weil es uns guttut, uns wieder als Paar zu erleben. Sechseinhalb Tage am Stück. So viel ungeteilte Aufmerksamkeit füreinander, dass es fast absurd wirkt.
Mir ist bewusst, dass das ein Privileg ist. Nicht jeder hat eine Oma oder einen Großvater, der einspringt. Aber der Kern ist nicht, wer auf die Kinder aufpasst. Der Kern ist, dass die Kinder okay damit sind, eine Weile mit einer Person zu sein, die ihnen nah genug ist. Das müssen keine sechs Tage sein. Drei oder vier tun es auch. Ehrlich gesagt sind wir uns über die Dauer nicht ganz einig. Ich würde fünf Tage wählen, dieses Mal sind es sechseinhalb geworden.
"Dir geht es gut, und du darfst trotzdem weinen"
Unsere Kinder lassen uns gehen, auch weil wir vorher mit ihnen reden. Wir sagen ihnen, dass diese Zeit für uns als Paar wichtig ist und für unsere Arbeit. Sie freuen sich auf die Granny. Und trotzdem gibt es Momente, in denen sie uns vermissen. Diese Momente reden wir nicht weg. Wir sagen nicht: hör auf zu weinen, alles gut. Wir sagen: dir geht es gut, du bist behütet, und du darfst trotzdem traurig sein.
Da merkt man den Generationenunterschied. Früher galt eher als Lob, wenn ein Kind "nicht rumgeheult hat". Und als der Elternteil, der nicht den ganzen Tag die Hauptbetreuung macht, ist es leichter zu sagen: ich halte das aus. Das ist uns bewusst, und wir lösen es nicht ganz auf. Aber wir wollen, dass unsere Kinder ihre Gefühle zeigen dürfen.
Warum das Videotelefon mehr ist als nur Technik
An diesem Morgen war einer unserer Söhne sehr traurig, kurz vor der Schule. Wir haben uns die Zeit genommen, per Video. Als ich klein war, sind meine Eltern auch mal weggefahren, und das rechne ich ihnen hoch an. Sie haben vielleicht einmal pro Woche angerufen. Dann saß du am Wählscheibentelefon im Wohnzimmer der Oma, die Oma direkt daneben. Da fängst du nicht an zu erzählen, wie blöd du gerade alles findest.
Heute können wir mit unseren Kindern allein sprechen. Sie dürfen weinen, alles rauslassen, und wir helfen ihnen, mit dem Gefühl im Moment umzugehen. Genau das ist der Punkt. So mündet es nicht in eine dieser Kindheitserinnerungen: Als ich jemanden gebraucht habe, war keiner da, und weinen durfte ich auch nicht.
Verzicht erklären statt verordnen: die Sache mit der Mango
Wir behandeln unsere Kinder wie kleine Erwachsene. Nicht im Sinne von zu früh erwachsen, sondern im Sinne von: wir erklären ihnen die Dinge. Eines unserer Kinder isst aus gesundheitlichen Gründen weitgehend zucker- und glutenfrei. An diesem Morgen kam der Satz: "Ich hab keinen Bock mehr auf diese scheiß getrocknete Mango. Gib mir das, was alle essen." Vollkommen nachvollziehbar.
Wir erklären ihm, dass etwas nicht richtig ist, nur weil alle es tun. Und dass auch nicht alles falsch ist, nur weil alle es tun. Was ihm wirklich geholfen hat, war, dass wir ihn mit seinem Schmerz gesehen haben. Er ist einer der stärksten Menschen, die ich kenne. Er packt sogar Lutscher für seine Geschwister ein, von denen er weiß, dass er sie selbst nicht essen darf. Ich dagegen knicke beim Kuchen in der Klinik nach zwei Sekunden ein. Mein Sohn in dem Alter hält durch. Manchmal denke ich, ich sollte mit mir selbst so konsequent sein wie er.
Kinder als Spiegel: werde ich ruhig, wird mein Kind ruhig
Unsere Kinder halten uns einen Spiegel vor. Sie haben uns von Anfang an gelehrt, im Moment zu sein, richtig zuzuhören, mit Konflikten umzugehen. Für einen Teil davon gibt es einen Begriff: Co-Regulation. Kinder regulieren ihre Gefühle anfangs nicht allein, sondern über die Ruhe der Erwachsenen um sie herum. Wenn ich atme und selbst runterkomme, beruhigt sich mein Kind.
Die Kehrseite davon ist unbequem. Kinder sind wie kleine Verstärker. Wenn sie gestresst sind, ist das Problem oft zuerst bei mir, nicht bei ihnen. Dann schaukelt es sich von beiden Seiten hoch. Und sie lehren uns auch ganz praktisch: Unsere Tochter klettert inzwischen auf einem Niveau, auf dem ich der Lehrjunge bin und nicht der Lehrmeister. Das wird mehr werden, je eigener ihre Interessen werden. Genau das erweitert unseren Horizont.
Worauf es hinausläuft: Liebt eure Kinder über alles. Verbringt bewusst viel Zeit mit ihnen. Sprecht mit ihnen. Und dann fahrt auch mal weg, zu zweit.
Die wichtigsten Gedanken in Kürze
Parents Night Out kann jeder. Der eigentliche Luxus ist Parents Week Out: ein paar Tage am Stück als Paar, nicht als Eltern.
Es geht nicht darum, wer auf die Kinder aufpasst. Es geht darum, dass sie sich sicher fühlen bei jemandem, der ihnen nah ist.
Kinder dürfen uns vermissen und traurig sein. "Dir geht es gut" und "du darfst weinen" schließen sich nicht aus.
Videotelefonie ist ein Privileg. Wir können dabei sein, ohne dabei zu sein, und Gefühle in Echtzeit begleiten.
Nur weil alle etwas tun, ist es nicht richtig. Und nur weil alle es tun, ist es auch nicht automatisch falsch.
Werde ich ruhig, wird mein Kind ruhig. Ist mein Kind gestresst, sitzt der Stress oft zuerst in mir.
Kinder sind unsere Lehrmeister, nicht nur unsere Schüler.
Häufige Fragen
Schadet es Kindern, wenn die Eltern ohne sie in den Urlaub fahren? In unserer Erfahrung nicht, wenn die Kinder bei einer Person bleiben, die ihnen nah ist, und wenn man vorher offen erklärt, warum man fährt. Unsere Kinder haben uns gehen lassen, haben sich auf die Granny gefreut und durften uns trotzdem vermissen. Das eine schließt das andere nicht aus.
Wie lange sollte so eine Auszeit als Paar dauern? Da sind wir uns selbst nicht ganz einig. Ich würde fünf Tage wählen, dieses Mal sind es sechseinhalb geworden. Drei oder vier Tage tun es auch. Wichtiger als die Dauer ist, dass es ein echter Abstand vom Elternsein ist und nicht nur ein verlängerter Abend.
Was hilft Kindern, wenn sie uns aus der Ferne vermissen? Bei uns hat das Videotelefon den Unterschied gemacht. Als einer unserer Söhne morgens vor der Schule weinte, haben wir uns Zeit genommen, ihn nicht abgewürgt und ihm geholfen, das Gefühl im Moment zu sortieren. Nicht "hör auf zu weinen", sondern "dir geht es gut, und du darfst trotzdem traurig sein".
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Diese Folge haben wir zu zweit auf Mallorca aufgenommen, mit Meeresblick und ehrlichem Blick auf uns als Eltern. Wenn du wissen willst, wie sich sechseinhalb Tage ohne Kinder wirklich anfühlen und warum das niemandem schadet, hör rein. Neue Folgen kommen jeden Donnerstag.
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