„Drop the news.” — „You drop the news.” — „Ich bin schwanger.” So klingt es, wenn zwei Menschen eine Nachricht teilen, die sie drei Monate lang fast niemandem erzählt haben. Nicht aus Angst. Aus Demut.
Worum es in dieser Folge geht
Nach drei Monaten Podcast-Pause sind wir zurück. In der Zwischenzeit: ein harter Kopenhagener Winter mit sechs Wochen Schnee, schwanger auf dem Lastenrad über Eisberge, kein Podcast, weniger geschrieben, später aufgestanden. Und mittendrin die Nachricht, die alles verändert hat. Kind Nummer vier. Wir sprechen darüber, warum Schweigen manchmal die einzig richtige Reaktion ist, warum Schwangerschaft die härteste Übung im Loslassen bleibt und was ein umgefallener Stuhl auf einer Theaterbühne mit Elternschaft zu tun hat.
Drei Monate Podcast-Pause in der Schwangerschaft: Warum manche Dinge reifen müssen
Ich hatte gar kein Bedürfnis, es viel zu erzählen. Das sagt Katharina über die ersten Wochen der Schwangerschaft. Nicht nur physisch, sondern mental habe ich gemerkt, dass es für mich Rückzug gebraucht hat. Januar und Februar in Kopenhagen, der kälteste Winter seit zwanzig Jahren. Sechs Wochen Eis. Kein Podcast. Weniger Morgenroutine. Auf eine Art haben wir uns dem hingegeben wie Murmeltiere.
Das ist keine Faulheit. Die Theorie, dass auch der weibliche Zyklus Frühling, Sommer, Herbst und Winter hat, resoniert bei uns. Dass der Körper im Winter Rückzug braucht, nicht Produktivität. Wir haben Energie konserviert, sagt Nico. Und was sich richtig anfühlt, kommt wieder.
Viertes Kind: Warum sich niemand für Familienplanung rechtfertigen muss
Beim ersten Kind fragt niemand warum. Beim zweiten auch nicht. Beim dritten ist es noch normal. Und ab dem vierten: Seid ihr blöd? Ist euch langweilig?
Die Stereotypen kamen sofort. Jetzt passt kein Auto mehr. Habt ihr eigentlich noch Sex? (Offensichtlich.) War das ein Ausrutscher? Und dann die gut gemeinten Geschichten: Bei einer Freundin von mir, die war auch in eurem Alter, und dann ist das und das passiert. Katharina beschreibt den Moment, in dem sie zu langsam reagierte: Ich habe es mir erzählen lassen, wo ich danach gedacht habe, nee danke, ich möchte es gerade einfach nicht hören.
Was uns beide beschäftigt: Wo es immer eine Herzensentscheidung war, soll man sie plötzlich rational begründen. Unsere Antwort darauf ist simpel, auch wenn sie nicht jedem gefällt: Du bist nicht verantwortlich für die Gefühle der anderen. Leb so, wie es für dich passt. Erwarte nicht, dass alle applaudieren.
Rollenverteilung in der Elternschaft: Veganes Cordon bleu und der gesunde Mittelweg
In der Schwangerschaftsdebatte gibt es zwei Extreme, die beide nerven. Auf der einen Seite der Tradwife-Trend: Frau bleibt zu Hause, zieht Röckchen an, backt und inszeniert das bei Instagram. Auf der anderen Seite die Überemanzipation: Mann schnallt sich eine Brustattrappe um, um das Stillen zu simulieren. Geburtssimulator, damit er den Schmerz nachfühlen kann.
Beides ist wie veganes Cordon bleu, findet Nico. Lass Cordon bleu halt Cordon bleu sein und Gemüse halt Gemüse. Das Pseudo-Gleichmachen verfehlt den Punkt. Unser Mittelweg: Wir respektieren unsere Rollen in ihrer Verschiedenheit. Katharina kann Dinge, die Nico qua Körper nicht kann. Dafür tanzt Nico nachts Schwanensee, wenn Stillen allein nicht reicht. Gleichwertig heißt nicht identisch.
Was Katharina besonders betont: Ich glaube nicht, dass ich es besser kann als du. Und auch nicht, dass ich es besser weiß. Wenn ich erwarte, dass mein Partner Verantwortung ergreift, muss ich akzeptieren, dass er es anders macht als ich.
„Use the difficulty”: Was ein Stuhl auf der Bühne mit Elternschaft zu tun hat
Michael Caine, ganz am Anfang seiner Karriere. Erste Rolle, erste Bühne. Er soll durch eine Tür auf die Bühne kommen. Aber ein Stuhl liegt davor. Er steckt den Kopf durch und sagt zum Regisseur: Ich kann nicht rein, da steht ein Stuhl im Weg. Die Antwort: Use the difficulty. Wenn es eine Komödie ist, stolper drüber. Wenn es ein Drama ist, schmeiß den Stuhl an die Wand. Aber benutz ihn.
Das wurde Caines Lebensmotto. Und es passt auf Schwangerschaft, auf Elternschaft, auf das ganze verdammte Leben. Der Stuhl verschwindet nicht, wenn du dich beschwerst. Aber du kannst ihn benutzen.
Daneben steht eine andere Geschichte, die uns beide immer wieder einholt: Die Reisschüssel. Kind findet einen schwarzen Stein im süßen Reis. Schmeißt die ganze Schale an die Wand. Die Mutter sagt: Nimm den Stein raus. Der Rest ist immer noch gut.
Schwangerschaft und Loslassen: Keine Krankheit, aber eine verwandte Übung
Nicos provokanter Vergleich: Schwangerschaft ähnelt Krankheit. Nicht weil sie eine ist. Sondern weil sie über dich kommt. Weil sie etwas mit deinem Körper macht, wo du keinen Einfluss drauf hast. Weil du gezwungen wirst, Geduld zu üben. Und weil Widerstand es schlimmer macht.
Schwangerschaft ist die Herausforderung schlechthin, loszulassen und zu vertrauen, sagt Katharina. Geburt ist nichts anderes als komplett loszulassen. Durch sich durchgehen lassen. So habe ich diesmal noch mal mehr Bock, das zu erfahren.
Beim vierten Kind weiß man, dass man eigentlich nichts weiß. Dankbarkeit braucht Erfahrung. Sie wächst nicht, weil man klüger wird, sondern weil man mehr gesehen hat.
Und dann ist da noch die Geschichte von den Fußspuren im Sand. Zwei Paar Fußspuren nebeneinander. Dann plötzlich nur noch eine. Der Mann fragt: Da warst du nicht bei mir. Die Antwort: Doch, da habe ich dich getragen. Das waren die besonders harten Zeiten. Ob man das jetzt göttlich oder universell oder einfach als Vertrauensübung interpretiert, bleibt jedem selbst überlassen. Der Kern bleibt: Sich tragen lassen, wenn es hart wird, statt dagegen zu kämpfen.
Die wichtigsten Gedanken in Kürze
Du musst dich für deine Lebensentscheidungen nicht rechtfertigen. Nicht für das erste Kind und nicht für das vierte.
Drei Monate Stille sind kein Scheitern. Manchmal müssen Dinge reifen, bevor man darüber spricht.
Gleichwertig heißt nicht identisch. Elternrollen dürfen verschieden sein, ohne dass eine weniger wert ist.
Use the difficulty: Der Stuhl vor der Tür verschwindet nicht durch Beschwerden. Benutz ihn.
Schwangerschaft ist Loslassen bei laufendem Betrieb. Vertrauen ist die einzige Währung, die zählt.
Du bist nicht verantwortlich für die Gefühle anderer. Leb so, wie es für dich passt.
Dankbarkeit wächst mit Erfahrung, nicht mit Wissen.
Häufige Fragen
Warum haben wir während der Schwangerschaft eine Podcast-Pause gemacht?
Die Schwangerschaft brauchte Raum. Nicht nur physisch, sondern mental. Dazu kam der härteste Kopenhagener Winter seit zwanzig Jahren, Krankheitswellen durch die Familie und das Bedürfnis, Energie zu konservieren statt zu produzieren. Wir haben weniger geschrieben, später aufgestanden und uns bewusst zurückgezogen. Was sich richtig anfühlt, kommt wieder.
Wie geht man mit Kritik und Kommentaren beim vierten Kind um?
Ab dem dritten Kind wird Familienplanung plötzlich kommentierungswürdig. Beim vierten kommen Fragen wie „Seid ihr verrückt?” oder „War das ein Ausrutscher?”. Dazu ungebetene Geschichten von Komplikationen bei Bekannten. Unsere Haltung: Es war eine Herzensentscheidung, keine, die rationaler Begründung bedarf. Man macht es für sich, nicht für den Applaus der anderen.
Was bedeutet „Use the difficulty” im Alltag mit Kindern?
Der Satz stammt von Michael Caines Regisseur und meint: Hindernisse nicht beklagen, sondern einbauen. In der Schwangerschaft heißt das, körperliche Veränderungen nicht zu bekämpfen, sondern sich ihnen hinzugeben. In der Elternschaft heißt es, unerwartete Situationen nicht als Störung zu sehen, sondern als Material. Der Stuhl vor der Tür wird Teil der Szene.
Mehr zum Thema Elternschaft und Rollenverteilung: Trockner nach links oder rechts? (Folge 72) | Unsere Gedanken zu Erfolg und Reichtum: Was ist Erfolg? (Folge 73)
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Drei Monate Stille, ein viertes Kind und die Frage, warum Loslassen die härteste Übung bleibt.
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